Was tun, wenn Sie eine alte Druckvorlage – einem SW-Foto aus einer Firmenbroschur – als Großbild produzieren wollen? Dann stellt sich die Frage: Welche Möglichkeiten habe ich bei der Digitalisierung – hier ein Vorschlag:
Hochauflagige Drucke werden meist im Offsetdruck oder früher im Buchdruck (Hochdruck) produziert. D.h. der Druck wurde gerastet.

SW-Foto als Scan im Rasterdruck produziert.
Im Offset ist dies häufig ein 60er Raster (60 l/cm), im Hochdruck sind meist deutlich geringere Rasterweiten anzutreffen. Modene Flachbildscanner mit guter Treibersoftware können zwar einiges aus einem alten Bild “herausholen”. So kann die Rasterweite der Vorlage eingestellt und beim Scanvorgang “herausgerechnet” werden. Je kleiner das Raster bzw. je schlechter das Druckbild (z.B. starker Tonwertzuwachs auf ungestrichenen Papieren), desto bescheidener fällt auch das Scanergebnis aus. Meist wird das Bild deutlich weicher, ähnlich der bikubischen Interploation (wie man es z.B. vom Hochrechnen von Bildern kennt). Soll aus einer kleinen Druckvorlage dann ein großes Wandbild (z.B. 2,40m Höhe) werden, verstärkt sich dieser Effekt.
Vor diesem Hintergrund haben wir unserer Kundin hier empfohlen, das Raster als Gestaltungsmittel beizubehalten. So wurde das Foto mit einer Auflösung von 7200 dpi als Strichvorlage (Bitmap, reiner SW-Scan, keine Graustufen!) gescannt. Um die optimale Qualität zu ermitteln, erfolgte der Scan mit mehreren unterschiedlichen Schwellenwerten (Grenzwert für die Trennung zwischen schwarz und weiß). Das Ergebnis wurde dann in Photoshop (ab CS3 sinnvoll, da sonst ggfs. bereits die Pixelgrenze erreicht wird) betrachtet. Ebenso wurden einige Störungen und Beschädigungen im Bild entfernt. Durch die hohe Auflösung des Scans konnte selbst ein Ausschnitt aus dem ursprünglichen Bild um den Faktor 53 vergrößert werden, ohne dass die Rasterpunkte der Druckvorlage im Digitaldruck zu pixelig wurden. Hiefür ist eine Auflösung von 72dpi (besser: 144dpi) die qualitative Untergrenze.
Der Ausdruck erfolgte auf eine weiße Hochleistungsfolie von Orafol mit einem matten Schutzlaminat. Mit dem Ergebnis waren alle Beteiligten zufrieden. Im Nahbereich wirkt der Rastereffekt sehr grafisch, fast künstlerisch, je weiter man sich von dem Druck entfernt, desto weniger kann das Auge die einzelnen Punkte auflösen und das Rasterbild erscheint als eindrucksvolle, großformatige SW-Fotografie.
Link des Artikels: http://blog.complot.com/2012/02/rasterbilder/